Als die Katholiken unseres Dorfes noch ihre Gottesdienste in einem Fabrikkeller an der Schönheimstrasse und später in einem ehemaligen Schulzimmer des Schulhauses Bachstrasse abhielten wurde mit einigen initiativer und idealistischer Leute, den Aufbau einer funktionierenden Pfarrei vorangetrieben und so mit der Kirche Bruder Klaus ein eigenes Pfarreizentrum errichtet. Dieses konnte 1964 festlich eingeweiht werden.
Noch bevor das Pfarreizentrum eingeweiht wurde, gelang es im Jahre 1961 Hans Debrunner eine Gruppe von Männern für die Idee für den schönen St. Nikolaus Brauch zu Begeistern. Es sollte sein, den Nikolaus im Sinne des grossen Vorbilds Nikolaus von Myra während der Adventszeit nach Urdorf auf die Strassen und in die Wohnzimmer zu bringen.
Da kein finanzieller Grundstock vorhanden war der Gedanke der Gründer für die erste Anschaffung von Kleidern und Material eigenes Geld zur Verfügung zu stellen. Doch es gab in der Gemeinde schon bald auch SpenderInnen. So fertigte Kunstschlosser Weih die Stäbe an, die Köchin des damaligen Pfarrers Dr. Marbach nähte die Mitras und Coiffeur Tansini lieferte Perücken, Bärte und Schminkzeug zu sehr günstigen Konditionen.
Für die erste Aktion verschickte man 232 Briefe mit Anmeldeformularen für die Hausbesuche. Wie viele Besuche dann tatsächlich durchgeführt wurden, ist aus den heute noch vorhandenen Unterlagen nicht mehr ersichtlich. Bekannt ist aber, dass die beiden Gruppen, die am 3. , 5. und 6. Dezember unterwegs waren, Spenden in der Höhe von insgesamt Fr. 474.80 entgegen nehmen durften. Mit diesem Geld finanzierten die ersten Nikoläuse und Schmutzli auch die 150 Chlaussäcklein zu je Fr. 1.50, die sie zuvor aus dem eigenen Sack vorfinanziert hatten. Diese Säcklein wurden nicht nur bei den Hausbesuchen, sondern auch auf der Strasse an die Kinder verteilt. Die Begeisterung der Urdorfer Jugend für diese Bescherung war so gross, dass schliesslich noch 16 zusätzliche Säcklein gekauft werden mussten.
Weil der Gesellschaft zu Beginn noch kein Raum für ihre Requisiten zur Verfügung stand wurde das ganze Material im Privathaus des ersten Kassiers, Josef Walpen, in Oberurdorf gelagert.
Da die damals beiden Nikolausgruppen im Dorf weite Wege zurücklegen mussten, wurde schon ab der zweiten Aktion für die Überbrückung grösserer Distanzen ein Fahrerteam ins Leben gerufen. Offenbar hatten auch unsere Gründer schon mit notorischer Zeitknappheit zu kämpfen!
Auch eines der Markenzeichen unserer heutigen Nikolausgruppen, das Engeli, wurde schon sehr früh eingeführt (1962 oder 63).
In den ersten Jahren wirkten folgende Samichläuse und Schmutzli in der St. Niklausgesellschaft Urdorf mit: Hans Debrunner (Initiant), Josef Walpen (Kassier), Jean Vogel (Aktuar), Kaspar Blumenthal, Antonio Bonato, Alfred Schöpf, Hans-Rudolf Stirnimann, Hans Stutz , Werner Winiger und der mit dem Vornamen nicht mehr bekannten Camenisch.
Die St. Nikolausgesellschaft heute
Mittlerweile hat die SNG in den Räumlichkeiten der katholischen Bruder Klaus Kirche an der Schönheimstrasse seit vielen Jahren das kostenlose Gastrecht. Unter dem Jahr können die Kleider, Bärte, Perücken, Schminkutensilien, Stäbe, Ruten, Glocken und vieles mehr in den Kästen sauber geordnet gelagert werden. Während dem im Schnitt mittlerweile jährlich 10-15 Tage dauernden Aktivität bekommt sie zusätzlich auch ein Raum und die Küche zur Verfügung für die Garderoben, Verpflegung und das Schminken vor und natürlich das gesellige beisammen Sitzen nach dem Einsatz.
Mittlerweile sind seit der Gründung 1962 stolze 64 Jahre vergangen und die zeitweise Aussetzung der Engeli wurde kurz in den 1990 eingeführt und erlebte mit der im Jahr 2002 durch Spenden gekauften Echthaarperücken ein revival und sind heute wieder ein schöner Bestandteil und tragen das Licht im Sinne einer Laterne durch unser Dorf.
Viele Jahre begann die eigentliche aktive Chlauszeit mit dem Einzug der Chläuse, Schmutzli und Engeli am Chlausmärt auf dem Mulaffenmärt. Ab 2010 wurde aus finanziellen Gründen dieser durch die Märtkommision nicht mehr durchgeführt. So kam die Idee dass sich die SNG an der in der Adventszeit durch die Kulturkommision organisierte „Adventskalender-Tournee“ in der Gemeinde anschliesst.
Nach der Aussendung des Nikolaus am 1. Adventssonntag in der katholischen Kirche und dem Adventsvenster beginnt seit 2011 die effektive Zeit der Besuche der einzelnen Gruppen bestehend aus Nikolaus, Schmutzli und Engeli . Bei den Besuchen bei denen vorwiegend Familien, Kindergarten aber auch Vereine, grössere Gruppen oder Firmen besucht werden.
Seit 3. Dezember 2011 ist dies nun ein fixer Termin für die SNG und wird an der Dorfstrasse 44 beim Bauernhof der Familie Zollinger mit steigender Besucherzahl durchgeführt. Dabei wird nicht nur jedes Jahr ein neues Bild im Fenster präsentiert, sondern der Nikolaus begrüsst mit all seinen Helfern und einer Geschichte die kleinen und grossen Gäste. Bei anschliessendem Speiss und Trank können die Gäste auch noch mit dem Samichlaus persönlich sprechen oder Gedichte, Verse und Lieder vortragen oder einfach nur ein kleines Präsent vom Schmutzli in Empfang nehmen. Für diesen Anlass stellen die Mitglieder Daniel Isenschmied und Beat Riedweg als Organisatoren immer wieder ein Teil ihrer Freizeit zur Verfügung.
Heute zählt die SNG 35 aufgeführte Mitglieder und ist mit dem einfach gehaltenen Vorstand und die Resortverantwortlichen gut organisiert. Für einen reibungslosen Ablauf der jeweiligen Aktion verbringt seit 2024 Carla Alemanni am Computer viele Stunden um möglichst alle Wünsche der zu besuchenden zu erfüllen.
Während der Covit Pandemie zwischen 2020 bis 2022 mussten aus bekannten Gründen die Besuchen bei den Familien , Schulen und Vereinen komplett eingestellt werden. In dieser Zeit hatte Heiz Kühnis die Idee den ganzen Besuchsablauf ins Freie, genauer gesagt an die Waldränder und auf Bauernhöfe zu verlegen. So entstand die heutige Form das Samichlausbesuches.
Seit dieser Zeit investieren Daniel Isenschmid und sein Team ihre Freizeit um die vier bis fünf Standorte mit Strohballen, Decken, Licht und teilweise mit Zelten aufzubauen, ein zurichten und bereit für die Besuche der Familien vorzubereiten.
Bei der Aktion 2025 konnten an den fünf Standorten rund um Urdorf 32 Familien den Samichlaus mit seinem Schmutzli und Engeli besuchen. Auch besuchte der Samichlaus mit dem Schmutzli Kindergarten, Kitas, Vereine und Firmen.
Die Besuche bei den Familien zuhause wird seit dem Ende der Pandemie immer wieder in der Gesellschaft diskutiert, findet jedoch bis heute leider kein Mitglied, das die zeitaufwendige Terminierung über die nächsten Jahre auf sich nehmen würde.
Für Informationen aus Gründerzeit oder spannende Ereignisse rund um die St. Nikolausgesellschaft seit dem bestehen oder auch Interessenten die sich als Engeli, Schmutzli oder Nikolause zur SNG gesellen möchten würde sich der Präsident Patrick Walser ( president (at) samichlaus-urdorf.ch ) und der ganze Verein freuen.
Verfasser: Beat Riedweg, Urdorf
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